Anja studiert Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Oslo
[Fragen, Gruesse, Kommentare, Besuchsankuendigungen und veganes Essen bitte an: lyxklammeraffegmx.li]
related: Thomas in Berlin und anderswo - Anika auf Vadnes - Anita im Norden
2008-08-27
song of the day: Sweeney Todd - No Place Like London
So. Es ist wieder etwas geschehen.
Gestern kaufte ich einen Besen (Foto folgt). Und fegte meine Stube.
Vorgestern war ich ja das erste mal in meinem Kurs "Digital Documents". Fast alle anderen Student_innen in diesem Kurs studieren im internationalen Masterkurs "Digital Library Learning (DILL)". Das ist ein interessantes Ding: Erstes Semester in Oslo, zweites Semester in Tallinn (Estland), drittes Semester in Parma (Italien) und viertes Semester MA-Arbeit. Die Teilnehmer_innen kommen aus allen Teilen der Welt, und ich finde es sehr mutig, in so fremde Laender zu reisen - gleich in drei Stueck! Viele haben sich mit einem englischen Namen vorgestellt, den sie sich anscheinend irgendwann mal selbst gegeben haben, um Auslaendern die Ansprache zu erleichtern. Ich wusste nicht, dass das so ueblich ist. Vielleicht lege ich mir auch noch einen englischen Namen zu.
Die Weise des heutigen Tages kann ich leider nur inoffiziell im Internet finden. Aber es war klar, dass es No Place like London sein musste, denn ich habe heute Sweeney Todd (den Film) gesehen. Nachdem Charlotte und Elizabeth (die Namen deuten es nicht an, aber sie sind norwegisch) seit Tagen daraus zitieren, war das notwendig. Elizabeth hat einen DVD-Spieler und einen Fernseher und, of course, die DVD. Sie wohnt im Studentendorf Kringsjaa, im hoechsten Hochhaus, in der obsersten Etage. Eine Wand ihres Zimmers ist komplett Fenster! Es sieht aus wie ein riesiges Gemaelde; wenn man nicht zu sehr nach unten guckt, sieht man nur Berg mit Wald und Himmel. Eigentlich haette ich mir das die ganze Zeit lang angucken koennen. Aber ja, der Film hat sich auch gelohnt. Das mit dem Blut ist auszuhalten, und der Rest fantastisch.
Und der Unterricht war so schoen heute! Øivind Frisvold gestaltet seine Vorlesungen sehr spannend, mit vielen Bild- und Ton-Beispielen. Heute ging es unter anderem um das erste Lesebuch speziell fuer Kinder, zuerst erschienen 1892, herausgegeben von Nordahl Rolfsen. Darin sind auch Gedichte, aus denen die Kinder etwas lernen sollten, zum Beispiel die Namen und Lagen der norwegischen Berge.
De norske fjelde.
Ifald du følger mig over heien,
saa skal jeg vise deg sæterveien,
saa skal vi fare i fjeldet ind,
: hvor solen gylder den hvide tind. :
[...]
Og nord paa Dovre, paa vide vidder,
der er det, Snehætta sidder;
hun sidder rumt paa sin dronningstol,
: og hun har svøbt sig i sne og sol :
[...]
Da skal vi sidde ved Glitretinden,
hvor skodden viger saa smaat for vinden;
da skal det hviske i hjertet dit:
: "Aa nei, aa nei! aa, er dette mit?" :
Und Vaterlandsliebe. Weil diese Gedichte natuerlich eigentlich gesungen werden muessen, stimmte Lehrer Øivind an, und dann sang die Klasse mit. Das ist fuer die deutsche Durchschnittsgebildete ein unerhoertes Erlebnis gewesen. Ja, jeg elsker dette landet! ;-)
Die norwegische Nationalhymne heisst "Ja, vi elsker dette landet" = "Ja, wir lieben dieses Land".
2008-08-24
song of the day: Apple Sauce (Lindalou and Michael Ryge)
So, Freunde, jetzt geht's ans Eingemachte. Es gibt FOTOS! Wenn man die Bilder anklickt, kriegt man sie etwas groesser und noch eine kleine Info dazu. Dann kann man sich einfach zum naechsten Bild weiterklicken.
Heute war ein richtig warmer Tag. Ich habe mich aufgerafft, und ein paar Leute aus einer StudiVZ-Gruppe getroffen. Wir sind zusammen auf eine der Inseln (bzw. mehrere? Der Name Langøyene deutet es an) im Oslofjord gefahren (das sind also die Menschen auf den Fotos). Diese Insel war genial! Man darf dort zelten! Es ist voll schoen. Das Wasser lud zum Bade ein. Leider hatte keiner von uns damit gerechnet, d.h. Badesachen mitgebracht. Wenn ich etwas abenteuerlustigere Begleitung gehabt haette, waere ich natuerlich einfach am FKK-Strand ins Wasser gehupft.
Jetzt musste ich etwas nachdenken, was ich gestern gemacht habe. Aber da traf ich ja die Katze! Vor der Deichmansken Bibliothek. Da kann man schoen auf den Stufen in der Sonne sitzen. Hab ich gemacht, und da kam sofort diese Katze angerannt und hat sich daneben hingeschmissen. Kraulen lassen. Kluges Tier.
Ich war uebrigens leicht schockiert, wie leicht sich Dinge aus der Bibliothek ausleihen liessen. Hab meine Adresse von hier angegeben und meinen Ausweis von Deutschland vorgezeigt. Unterschrift, das war's.
Und das war's auch fuer heute von mir!
P.S.: Skype wurde funktionstuechtig getestet. Mein Name ist drachenschnauze. Ueber sip kriege ich bisher nur Chat hin.
2008-08-22
song of the day: TRICYCLES OF STEEL (NanowaR)
Hurra for JBI!
Das Institut, an dem ich studiere, heisst JBI = "Avdeling for journalistikk, bibliotek- og informasjonsfag". Ich besuche ein Modul aus dem Bachelor-Studium in Bibliotheks- und Informationswissenschaft und eines aus dem Masterstudium. Ersteres heisst "Bibliotek og samfunn" (BoS) und wird mich zu einem Experten des norwegischen Bibliothekswesens machen. Letzteres heisst "Digital Documents" (DD) und wird mich zu einem Experten fuer digitale Dokumente machen. Und das ist ja immer gut.
Das BoS-Modul habe ich zusammen mit den norwegischen Erstsemesterstudenten. Also machte es besonders viel Sinn fuer mich, auch an allen Veranstaltungen der Einfuehrungswoche teilzunehmen. Und das waren viele! Ich schildere mal die drei Hoehepunkte:
Vorgestern gab es ein Kennenlern-Seminar fuer jede der vier Beginner-Klassen. (Insgesamt sind es 160 "Ersties"!) Ich bin in Klasse B bei Synnøve Ulvik, obwohl BoS nicht klassenweise unterrichtet wird. Aber zum Kennenlernen z.B. ist es gut, in einer Klasse zu sein. Und Synnøve ist so eine liebevolle-Mama-Person, was ich ja immer ganz hinreissend finde.
Gestern wurde von den Faddere (so etwas wie Pat_innen, Student_innen der hoeheren Semester, die sich um die neuen kuemmern) ein soziales Beisammensein mit Grill im Park St. Hanshaugen organisiert. Es gab Frisbee, Sojawuerstchen!! und soziales Beisammensein sogar fuer Leute, die der Landessprache alles andere als maechtig sind.
Heute waren in der ersten BoS-Vorlesung drei (Zitat:) "echte, lebende" Bibliothekarinnen zu Gast. Die haben vor allem vermittelt, dass ihre Berufe vielfaeltig und sinnvoll sind und Spass machen. Wenn man dazu noch die Information nimmt, dass in Norwegen alle ausgebildeten Bibliothekar_innen tatsaechlich gesucht sind... dann steigt meine Motivation Norwegisch zu lernen nochmal erheblich. =)
Schliesslich habe ich heute meinen ersten Geohash in Oslo erreicht.
2008-08-20
song of the day: Hey ho on the devils back (Katzenjammer)
Eine kurze Zusammenfassung, was bisher geschah:
Anja hat ihren neuen Rucksack gepackt und ist mit dem Bus nach Oslo gefahren. Die Stadt gruesste bereits in den fruehen Morgenstunden mit Sonnenschein und Seeluft.
Nach einem kleinen Ausflug zum Gelaende der Akershusfestung und dem Museum fuer Gegenwartskunst schleppte sie ihr guenstigerweise knapp bemessenes Gepaeck zum Studentenwohnheim St. Hanshaugen 2. Auf dem Weg fiel ihr dann wieder ein, dass "haugen" so etwas wie "Huegel" bedeutet. Und "Bergstien" - tatsaechlich ein sprechender Strassenname. An dem markanten Hochhaus angekommen ("vart rimeligste alternativ!" - ihre vierte Wahl von vieren), gab man ihr drei Schluessel, zwei Karten und ein kleines Zimmer.
Ich mag es inzwischen.
Heute habe ich dann zum zweiten Mal gedacht "Haettest du doch den Fotoapparat eingesteckt..." (ein Gedanke, den ich nur im Konjunktiv II kenne).
Das erste mal war gestern, auf der Semestereroeffnungsfeier. Meine Einstellung zu dieser Feierlichkeit war "Ok, ich hoere mir dieses langweilige Gerede an, weil es norwegisches langweiliges Gerede ist." So konnte ich sehr positiv ueberrascht werden, und wurde es auch. Gerede gehoerte natuerlich auch dazu, aber das war ziemlich kurz und nicht so langweilig. Ja, und das coole war, dass einige Student_innen aus jedem Studiengang sich mit Schildern und Luftballons auf dem Platz positioniert hatten, was die ganze Zeit gut aussah, und spaeter den neunen Student_innen den Weg wies. Ich wuerde also sagen, dass wir sehr liebevoll empfangen wurden.
Und heute hat, von 17 bis 18 Uhr, auf eben jenem Platz meine neue Lieblingsband gespielt! Dass ich den Fotoapparat nicht dabei hatte, war nicht so tragisch, denn ihr koennt einen ersten Eindruck von der Musik auch hier bekommen: Iiiih, MySpace (wobei ich mit dem zweiten Lied anfangen wuerde). Die netten Maedels heissen Katzenjammer, und wir koennen uns nur wuenschen, dass sie bald auch in Berlin auf der Buehne zu sehen sein werden!
Genug fuer heute. Ich bin muede. Ich habe Reis mit Champignons gegessen. Ich verstehe Norwegisch, wenn es "vorgetragen" wird. Sonst nicht. ;-) Sprechen ist noch sehr holperig, aber mein Kopf sammelt und fuellt sich.